Dissertationen

LAUFEND (Erstbetreuungen)

Univ.-Prof. DDr. Kurt Appel


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BECCARIA Noemi


The Eclipse of the Other and the Theology of Interruption: A Critique of Postliberal and Populist Reason in the Light of Johann Baptist Metz’s Memoria Passionis


My doctoral research explores the relationship between theology, memory, and politics in the context of contemporary post-liberal and populist narratives. It examines how Christianity and historical memory can be instrumentalized to legitimize exclusionary identity politics, transforming the Gospel from a critical and liberating force into a tool of communal closure. Drawing on Johann Baptist Metz's political theology and its North American reception, the project proposes memoria passionis as a hermeneutical category for interpreting history from the perspective of those who are vulnerable and marginalized and for recovering the prophetic and transformative power of Christian faith. Through a critical engagement with leading representatives of contemporary post-liberal thought, the research seeks to develop a political theology that promotes openness, solidarity, and responsibility toward the Other. Ultimately, it reflects on the role of Christianity in the global public sphere and on its contribution to building a more just and fraternal society.


BOCH Michael


Die transzendentale Logik des Wissens.

Eine Untersuchung zur transzendentalen Logik im Spätwerk Johann Gottlieb Fichtes und deren Rezeption


Betreuer*innen: Kurt Appel gemeinsam mit Alexander Schnell (Universität Wuppertal)


Die Dissertation hat zum Ziel, die Idee und die Ausgestaltung der transzendentalen Logik in Johann Gottlieb Fichtes späten Logik-Vorlesungen von 1812/13 historisch und systematisch zu erforschen. Historisch meint, dass die Vorlesungen zur transzendentalen Logik analysiert, kontextualisiert und in das fichtesche Gesamtwerk eingeordnet werden sollen. Systematisch meint, dass der Fokus nicht nur auf dem historischen Text der Vorlesungen liegt, sondern auf Fichtes Aneignung und Weiterentwicklung der Idee einer transzendentalen Logik. Hierbei sind die Vorlesungen zur transzendentalen Logik einerseits darauf zu untersuchen, inwiefern diese an Kants Idee einer transzendentalen Logik der Erkenntnis anknüpfen und woran die konzeptionellen wie begrifflichen Unterschiede festzumachen sind. Abschließend soll Hermann Krings produktive Anknüpfung an Fichte in seiner Transzendentalen Logik von 1964 vorgestellt werden und so die Kontinuität der transzendentalen Logik des Wissens bis ins 20. Jahrhundert nachgewiesen werden.



BOSOKY Isabella


Dazwischen - Allegorie, Anachronie, Aura und Vanitas in Walter Benjamins "Denkbildern"

BRUTTI Federico


Testimoni della verità. Per una dottrina della parola vivente a partire da Florenskij, Ebner e Moretti-Costanzi


Il mio progetto di tesi intende sondare e proporre una «filosofia della parola» a partire dal confronto con alcune voci filosofico-religiose del Novecento. In particolare, mi riferisco alle dottrine di Pavel Florenskij, Ferdinand Ebner e Teodorico Moretti-Costanzi, i quali – a partire da basi concettuali e orizzonti confessionali distinti – forniscono a mio avviso decisive chiavi teoretiche capaci di ispirare un ripensamento speculativo della parola, riconoscendo quest’ultima – nella sua concreta e vivente «attualità» – quale perno e orizzonte fondamentale del filosofare stesso. Diviene così possibile distinguere idealmente due antitetici modelli ontologico-gnoseologici: da una parte, si dà un «paradigma della rappresentazione», innestantesi sulla dicotomia intellettualistica tra soggetto e oggetto, sull’esteriorità dell’essere rispetto al pensare e su una concezione “adeguazionistica” del vero; dall’altra, si impone un «paradigma della testimonianza», fondantesi sull’attestazione di una parola-verità vivente, la quale si rivela massimamente nell’incontro dialogico tra singolarità irripetibili. Qui, il momento etico, quello gnoseologico e quello ontologico convergono nella concretezza di un’esperienza mondana relazionale.


CALL Noemi


Spekulation am Phänomen der Landschaft: Eine Ontologie der Gastlichkeit in der Welt


Mein philosophischer Forschungsansatz liegt an der Schnittstelle von Philosophie und Bildender Kunst – dort, wo sich künstlerische und philosophische Produktions- und Reflexionsprozesse überkreuzen. Ausgehend von einer kunstbasierten philosophischen Forschung (Arts-based Philosophy), einem Ansatz, der in den letzten zwei Jahrzehnten im deutschsprachigen Raum u.a. von Arno Böhler, Susanne Granzer und Anke Haarmann geprägt wurde, möchte ich in meinem Dissertationsprojekt den landschaftlichen Raum durch Medien wie Installation, Performancekunst und Zeichnung künstlerisch erforschen. Dem künstlerischen Produktionsprozess werde ich mit der Philosophie des zeitgenössischen Denkers Hans-Dieter Bahr – vor allem mit Bezug auf seine Werke „Die Sprache des Gastes“ und „Landschaft“ – und der Spätphilosophie Merleau-Pontys reflexiv nachspüren.

Das zentrale Motiv in Bahrs Philosophie ist das Motiv des Gastes. Mit dem Gast spricht Bahr ein Eröffnungsmoment in der Sprache und im Denken an, wodurch Bedeutungen erst ermöglicht werden. Die künstlerische Praxis spielt für ein Denken, das sich erst zu orientieren beginnt, eine entscheidende Rolle. Landschaftsräume sind gastliche Räume, weil sie offen sind. Ein Raum ist offen, weil der Mensch, aber auch die Landschaft selbst und ihre Gestalten nicht nur gastlich empfangen, sondern selbst immer schon Gast in der Welt sind. Landschaft ruht ontologisch also nicht in sich selbst, sondern ist immer auf dem Sprung zu anderen Landschaften, d.h. zu anderen Konfigurationen von Landschaft. In diesem Sinne bedeuten die Gestalten der Landschaft immer mehr als das, was sich unmittelbar zeigt. Dabei öffnet sich ihr Ganzes ins Unendliche und geht so über sich selbst hinaus.

Mit dem Motiv des „Gastes“ und des „offenen Raumes“ bei Bahr und der „Tiefe“ bei Merleau-Ponty – ein Motiv, das in seinen späten Werken „Das Sichtbare und das Unsichtbare“ und „Das Auge und der Geist“ im Zusammenhang mit seiner Ontologie des Fleisches in der Forschung noch nicht weiter ausgearbeitet wurde – möchte ich versuchen, eine Ontologie der Landschaft phänomenologisch und künstlerisch zu erforschen.



CHIAROLLA Stefano


Theologie der Affekte und Morphologie des Heiligen. Forschungen zur theologischen Ästhetik bei P. Sequeri und L. Pareyson


Die Dissertation untersucht das Verhältnis von Ästhetik, philosophischer Anthropologie und Religion mit besonderem Blick auf das asketische und transformative Potenzial ästhetischer Erfahrungen. Ausgehend vom Ansatz der Philosophy as a Way of Life (Pierre Hadot, Michel Foucault) versucht die Arbeit, ästhetische Erfahrungen als „geistige Übungen“ zu verstehen, die zur Selbsttransformation, Wahrheitsfindung und Öffnung gegenüber der Transzendenz beitragen. Im Zentrum steht ein vergleichender Dialog zwischen der Ästhetik Luigi Pareysons und dem Denken Michel Foucaults, wobei Konvergenzen und Divergenzen hinsichtlich der ästhetischen Formung des Subjekts herausgearbeitet werden. Ziel der Arbeit ist es, die Ästhetik in den Horizont der Philosophy as a Way of Life einzubeziehen und damit einen neuen religionsphilosophischen Zugang zur ästhetischen Erfahrung zu eröffnen.




CHO Weon-Min


Satan als zentrales Theologumenon des Christentums, neu gelesen in Schellings "Urfassung der Philosophie der Offenbarung"


Im Christentum ist die wahre Existenz des Menschen in Gott verankert, allerdings in einer personalen Beziehung, entsprechend der vollkommenen göttlichen Lebendigkeit, die der Dreieinigkeit entspringt. Die Gottes- und Nächstenliebe ist daher mehr als ein Prinzip der Sittlichkeit, vielmehr ist sie namentlich das Wesen dieser menschlichen Existenz, wobei Solidarität, Subsidiarität und Freiheit das Antlitz dieser Liebe prägen.

Als Krone der Schöpfung ist der Mensch jedoch nicht nur gottfähig, sondern in seiner Freiheit auch satansfähig. In diesem Kontext untersucht Schelling in der „Urfassung der Philosophie der Offenbarung“ die trügerische Seite des menschlichen Daseins. In seiner Theodizee nimmt er den Begriff „Satan“ als verführerische Geistmacht für den menschlichen Willen als eine universal geltende Wirkmacht an. Methodisch spürt er mit seiner positiven Philosophie im Theogonie-Prozess das Wesen des Satans in der mythologischen Welt, in der Offenbarung und anhand der biblischen Zeugnisse auf.

Nach Schellings Überzeugung ist der Satan an sich weder böse noch Person, sondern ein Prinzip des Geistes, welches der Schöpfung als notwendige Grundlage (ὑποκείμενον) innewohnt. Insbesondere in der Christologie verdient er als eben nicht individuell erschaffenes Geschöpf, sondern als ein reales universales Geistprinzip den Namen „Fürst dieser Welt“, der von Christus als wahrem Menschen überwunden wird. Der Satan ist die Anwesenheit der Unwesenheit in der Welt. Die Klärung der Frage nach der Zulassung des Satans als „das nicht sein Sollende“ von Seiten Gottes angesichts des Leidens in der Welt bildet den Kern der Satanologie bei Schelling, deren Antwort bei ihm schließlich in die Herrlichkeit Gottes und in das damit verbundene Heil der Menschen mündet.   



CSÁKI Attila


Gottes Immanente Transzendenz in einer auf der Differenzphilosophie Deleuzes basierenden Theologie

Ich promoviere am Fachbereich für Theologische Grundlagenforschung der Theologischen Fakultät. In meiner Doktorarbeit untersuche ich das metaphysische Modell der Differenzphilosophie des französischen postmodernen Philosophen Gilles Deleuze aus theologischer Perspektive. Da mein langfristiges Ziel die Ausarbeitung eines auf der Differenzphilosophie basierenden theologischen Systems ist, suche ich als ersten Schritt im Rahmen meiner Doktorarbeit nach Möglichkeiten, den transzendenten Gott in diesem theologischen System, das auf der grundsätzlich immanenten Philosophie Deleuzes basiert, zu verorten.


FRIGO Fabio


Tra libertà di Dio e libertà dell'uomo.
I sacramenti alla luce del pensiero della libertà


Das Thema der Dissertation will einer persönlichen Überzeugung nachgehen, die man so ausdrücken könnte: Das urchristliche Glaubensverständnis impliziert immer auch die Einbeziehung der persönlichen Freiheit. Der Glaubensakt ist keine rein passive Anpassung, sondern ein affektives Anhalten an den freien und befreienden Gott. Der Glaubensakt ruft eine lebenswerte Beziehung zur göttlichen Wahrheit hervor, die in der Geschichte von Jesus von Nazareth „propter nos homines et nostram salutem“ offenbart wurde. Das sollte sich auch in dem besonderen Glaubensakt widerspiegeln, den die Sakramente implizieren. Aber in der Denkform der Sakramentenlehre der letzten Jahrhunderte ist gerade das Element „Freiheit“ oft in Dunkelheit geraten.

Zusammenfassend geht es darum in unserer Arbeit, eine Deutung der sakramentalen Handlung zu entwickeln, die die Kategorie der Freiheit als Aussichtpunkt auswählt: Das Sakrament ist der konkrete Raum, in dem sich die Begegnung zwischen der Freiheit Gottes und der Freiheit des Gläubigen ereignet. Um der Kategorie der Freiheit Inhalt und Konturen zu geben haben wir zwei Autoren ausgewählt, und zwar den italienischen Philosophen Luigi Pareyson (1918-1991) und den deutschen Theologen Thomas Pröpper (1941-2015). Sicherlich mit unterschiedlichen Nuancen aber auch mit gemeinsamen Punkten haben sich diese Autoren sich mit dem in der Moderne entwickelten Begriff „Freiheit“ auseinandergesetzt; in ihren Werken haben sie abgezielt, ein gewisses Misstrauen gegenüber diesem Thema und seine Ausarbeitung in der Neuzeit zu überwinden, das sich durch die Gegenreaktion sogar innerhalb des posttridentinischen Katholizismus ausgebreitet hat.

Damit fördern sie eine Hermeneutik des Christentums und seiner objektiven Darstellungen, in der die Themen der Person und seiner Würde, der Historizität und des Werdens, der Freiheit des Glaubensweges (und damit auch ihres Risikos) einen zentralen Platz finden. Auf der Basis ihres Denkens zielen wir sowohl eine kritische Lektüre der gegenwärtigen Modelle des Verständnisses des Sakraments als auch eine erneuerte Hermeneutik der sakramentalen Handlung ab, die möglicherweise eine vielversprechende Praxis des Sakraments und des christlichen Glaubens inspirieren könnte.



GAO Jianjun Thaddäus


Der Begriff der Transzendenz bei Hans Urs von Balthasar und bei Dong Zhongshu (董仲舒)— Eine Darstellung des interkulturellen Dialogs zwischen der christlichen Theologie und der klassischen chinesischen Philosophie

Die Dissertation „Der Begriff der Transzendenz bei Dong Zhongshu (董仲舒)und bei Hans Urs von Balthasar“ handelt in erster Linie davon, den Begriff der Transzendenz durch die Darstellung eines solchen interkulturellen Dialogs neu zu überdenken und darüber hinaus den Versuch zu unternehmen, christliche Theologie in die chinesische Kultur zu inkulturieren.



GEIGER Sam


Fools or Knaves? The contemporary anglophone reception to Kant's theological postulates


Kant famously claims in the Critique of Pure Reason that he had to deny knowledge in order to make room for faith. The proper objects of faith—the existence of God and the immortality of the soul—cannot be known theoretically, yet we are entitled to assume their existence with the same degree of certainty as anything we do know. Practical reason must postulate these objects because they are necessary for the realization of the highest good and theoretical reason makes no claim to their non-existence.

Historical and contemporary critics have attacked Kant’s theological postulates on various grounds, with some attempting to secularize his position. Hegel, Schelling, and Fichte attempted to save Kant’s notion of a practical postulate while rejecting his theological insights. In modern anglophone Kant scholarship, many have followed suit, rejecting the theological implications of the postulates while recognizing the necessity of endless moral progress in Kant’s system.

My central claim is that Kant’s postulates of practical reason must be understood theologically. The undergirding assumption which I will attempt to vindicate is that Kant’s moral religion constitutes the cornerstone of his critical project and clarifies the relationship between the theoretical and practical spheres of reason. Through a reconstruction of the distinct arguments Kant makes for the theological postulates, I will show that Kant’s arguments for his moral theology are not as weak as they have been made out to be. In particular, the failure to appreciate the scope and variety of Kant’s arguments in congress with one another leads to this error. Once the theological dimension of Kant’s practical postulates is better understood, I will show how Kant’s religious thought is indispensable to his project and offers a satisfying account of the epistemology of religious belief.


KAISLER Roswitha


„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ – 1 Mose 16,13: Zusage und Aufgabe Gottes. Die Frage nach Gott angesichts von Entfremdung und gebrochener Identitätserfahrungen ausgewanderter Kinder nach den Novemberpogromen 1938


Betreuer*innen: Kurt Appel gemeinsam mit Gerhard Langer (Universität Wien)


Zehntausende jüdische Kinder verdanken der Aktion Kindertransporte als Reaktion auf die Novemberpogrome 1938/39 ihr Leben, wobei die wenigsten mit ihren Eltern emigrieren konnten und auch viele ihre Eltern nie mehr wiedersahen.

In der Dissertation wird der Blick auf das Gesehen- und Gehörtwerden des leidenden Menschen sowohl aus jüdischer als auch aus christlicher Perspektive gerichtet. „Du bist ein Gott, der mich sieht“, spricht Hagar in Mose 16,13. Dieses Gesehen- und Gehörtwerden des leidenden Menschen steht in der Spannung von Gerettet-Sein, Traumafolgen und Suche nach Halt. Die Rolle der Stammmutter Hagar, der ägyptischen Sklavin Sarais, die in ihrer Rede zu Gott bestätigt, dass Gott an der Seite jener steht, die keine Siegergeschichten schreiben, wird als unfreiwillige „Care-Trägerin“, als Schwellenfigur im Rahmen der jüdischen Erzelterngeschichte herausgearbeitet und in Beziehung zu den Schwellenerfahrungen der Child Survivors gesetzt.

Mittels qualitativer Forschung soll erschlossen werden, wie sich Entwurzelung und Entfremdung im Kinder- bzw. Jugendalter auf die Überlebenden der Shoah, der Child Survivors, hinsichtlich ihrer jüdischen Identität, auf die Formen jüdischen Glaubenslebens, auf ihr Gottvertrauen, ihre Gottesnähe im weiteren Leben ausgewirkt haben. Ein besonderes Augenmerk wird auf die interreligiösen Spannungslinien zwischen jüdischen Kindern und ihren Erfahrungen in den Gastfamilien gelegt.

Ebenso soll das Forschungsfeld „Transgenerationale Weitergabe der Identitätsvorgaben hinsichtlich der Gottesrede, der Gottesbeziehung der Child Survivors an die Shoah-Nachgeborenen“ mittels qualitativer Forschung erschlossen werden.




KUNGURTSEVA Sofiia-Olga


Kenosis des Wissens: Spekulation, Erinnerung und „begriffene Geschichte“ in Hegels Phänomenologie des Geistes

Das Dissertationsprojekt untersucht Hegels Begriff des absoluten Wissens als eine Form des kenotischen Wissens. Ausgangspunkt ist die These, dass absolutes Wissen nicht in der vollständigen Aneignung oder Verfügbarkeit seines Gegenstands besteht, sondern gerade in der Erkenntnis und Anerkennung seiner eigenen Grenze. Die Untersuchung konzentriert sich primär auf das Schlusskapitel der Phänomenologie des Geistes, insbesondere jene Passage, in der Hegel die Bewegung des Wissens als Aufopferung konzipiert. Diese Figur soll im Kontext von Hegels Gesamtwerk sowie seiner neueren Rezeption erschlossen werden. Dabei wird untersucht, inwiefern sich die aufopfernde Bewegung des Wissens als strukturell mit dem theologischen Motiv der Kenosis verbunden verstehen lässt und welche Konsequenzen sich daraus für ihre Verbindung mit weiteren christlichen Motiven, insbesondere geschichtlich-eschatologischen, ergeben.

Die Arbeit argumentiert, dass Wissen für Hegel nicht als Besitz eines souveränen Subjekts, sondern als ein geschichtlich und intersubjektiv vermittelter Vollzug zu begreifen ist. Seine Selbstbegrenzung bedeutet dabei keinen bloßen Verlust: Indem das Wissen auf den Anspruch vollständiger Verfügung verzichtet, eröffnet es die Möglichkeit der Anerkennung des Anderen und macht zugleich die genuin produktive Dimension der Erkenntnis sichtbar. Darüber hinaus fragt das Projekt nach der Aktualität eines solchen nicht-aneignenden Wissensbegriffs angesichts von KI als dominanter Wissensform: Gegen die Vorstellung von Wissen als akkumuliertem, unmittelbar verfügbarem und generierbarem Bestand soll Hegels absolutes Wissen als eine Form des Erkennens profiliert werden, deren Wahrheit gerade nicht in vollständiger Verfügbarkeit, sondern in der Anerkennung ihrer eigenen Grenzen liegt.



LEHNER Elisabeth


Wenn die Sprache versagt ...,
... IM Ende war das Wort und das Wort IST bei Gott und das Wort IST Gott






MARKOVIC Aleksandar


Jenseits von Hegel und Derrida. Die Dialektik von Aufhebung und différance in ihrer Sekundärliteratur

In meiner Arbeit möchte ich mich Hegels Begriff der „Aufhebung" und Derridas Begriff der „différance“ anhand der Literatur von Rebecca Comay, Mladen Dolar und Catherine Malabou nähern. Laut Derridas eigener Definition nach arbeitet die différance immer und kontinuierlich gegen Hegels Aufhebung. Meiner Meinung nach ist Derrida hier zu vorschnell. Ich behaupte, dass sich anhand der Literatur von Comay, Dolar und Malabou zeigen lässt, dass die Begriffe viel näher beieinanderliegen, als Derrida selbst zugeben würde. Hierzu ziehe ich zentrale Werke der Autorinnen und des Autors heran, in denen sie sowohl Hegel als auch Derrida referieren.



METZE Miriam

Unerwidert lieben

Unerwiderte Liebe erscheint auf den ersten Blick weder in privater noch in philosophischer Hinsicht eine ernstzunehmende Fragestellung zu sein – paradoxerweise, weil sie so fragwürdig erscheint. Etwa nimmt man Anstoß daran, dass sie nie in eine gelebte Wirklichkeit, ein gemeinsames Leben und Handeln führt, unterstellt dem liebenden Subjekt Idealisierung, Bindungsangst oder eskapistische Tendenzen oder man führt die Unterscheidung zwischen Verliebtsein und Liebe ins Feld. Sämtliche Begriffe und Kategorien, mithilfe derer man an die Liebe herantritt, legen eine Abwertung oder Entwertung unerwiderten Liebens nahe. Am ehesten noch kommt man der Frage nach der Wirklichkeit unerwiderter Liebe nahe, wenn man sie aus religionsphilosophischer Sicht betrachtet.

Tatsächlich werden an diesem Spezialfall einer amourösen Beziehung jene Fragekomplexe virulent, welche auch das religionsphilosophische Nachdenken der Beziehung zwischen Mensch und Gott erforscht.




OBERNDORFER Markus

Zur theologischen und philosophischen Erkenntnis des christlichen Gottes bei Bernhard Welte. Person Sein Gottes - Wege zu Gott durch das Gebet. Untersuchungen zur Erfahrbarkeit Gottes und Vertiefung des Geheimnisses des Glaubens




PALASCIANO Gabriele


La filosofia della religione di Juan Carlos Scannone.
Prospettive postmoderne?

Betreuer*innen: Kurt Appel / Johann Schelkshorn

Meine Dissertation untersucht die Religionsphilosophie des argentinischen Philosophen und Theologen Juan Carlos Scannone (1931–2019). Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Scannone das Verhältnis von Religion, Philosophie und Theologie unter den Bedingungen der Moderne und Postmoderne bestimmt. Die Untersuchung rekonstruiert dabei vier zentrale Themenbereiche seines Denkens: seine Interpretation von Moderne und Postmoderne, seine philosophisch-theologische Anthropologie, sein Verständnis der Religionsphilosophie sowie seine Konzeption der Gotteserfahrung und der Transzendenz. Besonderes Augenmerk gilt dem Verhältnis von Universalität und kulturell-historischer Situiertheit sowie der Bedeutung des lateinamerikanischen Kontextes für seine Philosophie. Ziel der Arbeit ist es, Scannones religionsphilosophischen Ansatz systematisch zu erschließen und seinen Beitrag zur gegenwärtigen philosophischen Reflexion über das religiöse Phänomen herauszuarbeiten.



PONZO Keren


Hegel and Foucault: On Forgiveness as Self-Care


What would happen if we read the concept of 'self-care' expressed by the late Foucault through the magnifying glass of Hegel's 'forgiveness' and thus 'self-forgiveness'?

The question of forgiveness, in Hegel, presents itself clearly as early as the text The Spirit of Christianity and its Destiny, but it becomes decisive in the Phenomenology of Spirit: if in the early work of the Frankfurt period forgiveness is addressed in relation to action and its consequences in the analysis of the spirit of the Jewish people, in the Phenomenology, it assumes the focal point within the theme of recognition, making it, in fact, possible. It is in fact Forgiveness that allows for the recognition between the acting consciousness, which has the value of Evil, and the judging consciousness: in asking for forgiveness, 'the acting consciousness must break through the unilateral and unrecognised existence of its particular being-for-itself' and in the same way 'must witness the shattering of its unilateral and unrecognised judgement'. Forgiveness allows the reconciliation of consciences within the common horizon of guilt: the limitation that manifests itself in evil and guilt is the same that expresses the judging act, defined by Hegel as an overbearing act, it is the finiteness of the human being. In the request and granting of forgiveness, the miracle of reconciliation is renewed: "And this mutual recognition is the absolute Spirit.

Starting from self-care and its practices, which Foucault points out in his last courses at the College de France, what will then become the "telling the truth about oneself" of Foucauldian memory if we do not take into account the background traced by Hegel, from finiteness and forgiveness, from the ethical implications of an action that makes the chiastic formula "I who is we, we who is I" its own?







REBES Marcin


Die drei Aspekte [Naturen] Gottes und die Schöpfung in Alfred North Whiteheads Prozessphilosophie und dem christlichen Glaubenssystem

In der Dissertation geht es darum, die Fragen nach "primordial nature", "consequent nature" sowie "superjective nature" in der Philosophie Whiteheads mit dem christlichen Glaubenssystem zu erörtern. Ziel der Arbeit ist es, die drei göttlichen Naturen bzw. Aspekte in der Prozessphilosophie aufzuzeigen und zu darzustellen, wie sie das Problem der Beziehung zwischen Gott und seinen Geschöpfen unter Berücksichtigung des Problems der Freiheit und der Kausalität erklären können.



SCHNEIDER Stefan


Die Welt als Gott im Werden. Bulgakovs sophiologische Schöpfungstheologie und Teilhard de Chardins Theologie der Evolution im Dialog

Betreuer*innen: Kurt Appel gemeinsam mit Ioan Moga (Universität Wien)


Die Dissertation "Die Welt als Gott im Werden. Bulgakovs sophiologische Schöpfungstheologie und Teilhard de Chardins Theologie der Evolution im Dialog" adressiert die Frage nach strukturellen Parallelen und charakteristischen Eigenheiten im Vergleich der beiden synthetischen Theologien. Der intendierte Nutzen ist der Hinweis auf eine gemeinsame Grundintuition sowie einen geteilten Weltzugang im christlichen Osten und Westen. Zur Orientierung dienen dabei eine Reihe von Vergleichsdimensionen anhand welcher die umfangreiche Quellen- und Sekundärliteratur befragt wird.



WU Peiyu


Der aussprechende Geist. Hegels Überlegungen zur Sprache im Hinblick auf den objektiven Geist

Dieses Projekt zielt darauf ab, Hegels Überlegungen zur Sprache im Bereich des objektiven Geistes, insbesondere in der politischen Welt der Gemeinschaft, zu untersuchen. Wenngleich Hegel an das griechische Erbe anknüpft, nämlich an die produktive Zweideutigkeit des logos als Vernunft und zugleich als Sprache, verharrt er nicht auf der Ebene der reinen Kontemplation. Vielmehr zeigt er, wie sich dieser logos als objektiver Geist im öffentlichen Leben der Menschen – etwa in Recht, Vertrag und Sittlichkeit – zu einer konkreten Wirklichkeit objektiviert. Von diesem Ausgangspunkt aus lassen sich sowohl die Kritiken Gadamers und Derridas an Hegels Sprachbegriff neu bewerten als auch das Verhältnis von subjektivem und objektivem Geist in einem neuen Licht betrachten. Im Zentrum der Untersuchung stehen dabei die Phänomenologie des Geistes sowie die Grundlinien der Philosophie des Rechts, anhand derer die Funktion der Sprache im objektiven Geist herausgearbeitet wird.






ZARZER Bernhard


Von der Wiederholung zur Maschine. Die De-montage des Subjekts im Werk Gilles Deleuze'

So wie Gilles Deleuze die Wiederholung denkt, ist sie nicht zu trennen von der Differenz, die sie konstituiert und letztlich selber ist. Ihrer Begriffslogik entsprechend verlangt sie nach Fort-Setzung. So soll sich zum Beispiel eine Erfahrung von Lust wiederholen, wird verfehlt und soll genau deshalb erneut wiederholt werden. Es kann darin eine Nähe zur Psychoanalyse nach Freud und Lacan hervorgehoben werden und schnell zeigt sich wie grundlegend die Wiederholung für die Konstitution jeglicher Erfahrung ist. Ausgehend davon sollen damit soziale Praktiken und Verhältnisse untersucht werden, wie sie sich seriell wiederholend zeigen oder auch Teile der Gesellschaft in bestimmter Form, zum Beispiel als Milieu, hervorbringen. Es sind aber nicht autonome Subjekte die Schöpfer oder Träger dieser seriellen Praxis. Vielmehr sind Individuen und Subjekte aus den genannten Begriffen abzuleiten. Die Wiederholungen gehen dem Subjekt voraus und sind für dieses Voraussetzung. Darin klingt neben den Einflüssen der Psychoanalyse bereits eine marxistisch beeinflusste Sozialonotologie mit.

So mechanisch die Wiederholung vorgestellt werden kann, so mechanisch erscheint die Maschine am ersten Blick. Menschen werden vor allem über ökonomische Serien global verbunden und eine verlässliche Wiederholung gewisser Arbeitsschritte und Tätigkeiten sind unumgänglich für einen funktionierenden Markt und gesellschaftlicher Organisationsweisen.

Im – gemeinsam mit Felix Guattari verfassten Werk – "Anti-Ödipus, Kapitalismus und Schizophrenie I" finden wir den in diesem Kontext verwendeten Begriff der Maschine. Das Besondere der Maschine liegt aber weniger im Phänomen des Automaten oder des Apparats, sondern vielmehr in der Differenzierung und Variation. Über die Automatik hinausgehend, ereignet sich etwas auf die manifesten Strukturen Irreduzibles. Die Maschine produziert - und das mit Hilfe, der durch sie hervorgegangen bestimmten Subjekte verschiedener Milieus und Gruppen.

Wie zu zeigen beabsichtigt ist, wird auf Grund der Logik der Wiederholung ein anderes Unbewusstes begreifbar, als es nach Freud und Lacan so wesentlich sprachlich oder familiär ödipal bestimmt worden ist. Wunsch und Begehren, Antrieb jeder Tätigkeit und schöpferischen Willens, werden im Zusammenwirken der seriellen Wiederholungen geformt und davon getragen. Die Dissertation beabsichtigt diese Zusammenhänge in Gilles Deleuzes Werke zu erkunden, um die Maschine ausgehend von der Wiederholung unter besonderer Berücksichtigung der Psychoanalyse und der Kritik der politischen Ökonomie zu erklären. Von da aus lässt sich ein Einblick in die Produktion und auch die Demontage bestimmter maschineller Subjekte gewinnen, wie es für gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen von Bedeutung ist.